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Regelschulung mit Christoph

Hallo Sportfreunde,

am vergangenen Dienstag war es wieder soweit: Die mit Start der neuen Fußballsaison in Kraft getretenen Regeländerungen wurden uns von unserem Schiedsrichter Christoph Dallmann präsentiert.

Bei Apfelschorle und belegten Brötchen wurde gestaunt, analysiert und diskutiert. Selbst die Mutter aller Fragen, „wann ist Hand eigentlich Hand“, wurde von Video zu Video immer wieder unterschiedlich interpretiert.

Da Christoph mittlerweile bereits in der A-Jugend-Bundesliga pfeift, gab es seinerseits auf jede unserer Fragen eine passende Antwort.

Wie und warum er Schiedsrichter geworden ist und was er sonst noch für Erfahrungen rund um die Pfeife gesammelt hat, hat er uns in einem kurzen Interview verraten.

Redaktion: Moin Christoph, vielen Dank für den interessanten Vortrag und die teils sehr unterhaltsame Debatte. Warum hat sich der Fußballer Christoph Dallmann entschieden Schiedsrichter zu werden?

Christoph: Hallo, kein Problem, auch für mich war es sehr unterhaltsam und spannend wie weit die Sichtweisen und Meinungen teilweise auseinander liegen.

Mein Interesse an der Tätigkeit des Schiedsrichters wurde bereits bei meinem Jugendverein Warnow 90 geweckt, da es dort damals schon sehr viele engagierte Schiedsrichter gab.

Dieses Netzwerk habe ich mit zwei meiner damaligen Teamkameraden genutzt und die Ausbildung zum Jugendschiedsrichter absolviert.

So etwas in einer Gruppe zu machen brachte natürlich jede Menge Spaß und auch einen riesen Erfahrungsaustausch mit sich.

Anschließend hat man natürlich auch gewisse Aufstiegschancen und kann vielleicht auch entgegen seinem eigenen Fußballtalent, als Schiedsrichter relativ hochklassig auf dem Platz stehen.

Redaktion: Als Schiedsrichter, gerade in jungen Jahren, ist ein gesundes Selbstbewusstsein sicherlich von Vorteil. Kannst Du Dich noch an dein erstes Spiel oder deine allererste rote Karte erinnern?

Christoph: (lacht) Ja, ziemlich genau sogar. In meinem ersten Spiel als Jugendschiedsrichter in der D-Jugend. Warnow 90 gegen PSV, da habe ich vergessen sämtliche Torschützen zu notieren. Ich war wohl zu nervös.

Ich wusste zwar das Ergebnis, musste dann aber mit externer Hilfe meine Dokumentation vervollständigen. Die erste gelbe Karte gab´s dann ein Spiel später, ebenfalls in der D-Jugend gegen Dummerstorf.

Die erste gelb-rote Karte musste ich dann in der A-Jugend mit 16 Jahren für ein klassisches „Ball wegschlagen“ vergeben und die erste glatt Rote gab´s erst im Herrenbereich.

Redaktion: Was dann auf rote Karten meistens folgt ist eine Beleidigung oder?

Christoph: Das ist tatsächlich eher unterschiedlich. Als ich letztes Jahr in der Regionalliga in Nordhausen als Assistent an der Seitenlinie war, gab es teilweise auch nicht jugendfreie Beleidigungen durch die Zuschauer.

Insgesamt gilt ja die Beleidigung nicht mir persönlich sondern eher dem Schiedsrichter in mir, daher kann ich so etwas schon gut wegstecken bzw. realistisch einschätzen.

Bei uns im Norden scheint der Respekt vor dem Schiedsrichter ohnehin etwas höher zu sein, wobei ich auch schon mal in einem Freundschaftsspiel nach einer gelb-roten Karte umgeschubst wurde.

Der Spieler hat sich damit natürlich keinen Gefallen getan und wurde anschließend völlig zurecht für ein halbes Jahr gesperrt.  

Redaktion: Aus der Rubrik „Jetzt kann ich es ja erzählen“, schon mal eine Fehlentscheidung getroffen?

Christoph: (lacht) Oh ja. Ich habe mal in der B-Jugend-Bundesliga einem Spieler zweimal die gelbe Karte gezeigt. Der Spieler ist auch tatsächlich auf dem Platz geblieben, exakt so wie damals bei der WM Josip Simunic von Kroatien.

Wir sind schließlich alle nur Menschen, man sammelt so viele tolle Erfahrungen als Schiedsrichter und pfeift in der Jugend-Bundesliga einige Stars von Morgen, Jan-Fiete Arp z.B. ist ein ganz ruhiger angenehmer Fußballer.

Wenn man dann am Samstag bei der Sportschau den ein oder anderen Namen hört, kommen schon immer mal wieder Erinnerungen hoch.

Redaktion: Welche Ziele hat der Schiedsrichter Christoph Dallmann?

Christoph: Momentan bin ich 25 Jahre alt und habe dementsprechend noch ein paar Jahre vor mir. Aktuell ist mein Ziel in der Regionalliga im Herrenbereich Fuß zu fassen um dort auch eine gewisse Routine zu entwickeln, denn das Spiel wird auch für uns Schiedsrichter immer schneller je höher man pfeift. Langfristig wäre die 3. Liga ein Ziel, wobei man um dort zu pfeifen oder um an der Seitenlinie zu assistieren, erst einmal einen freien Platz bekommen muss. Momentan befinde ich mich ohnehin in einem Förderkader für Schiedsrichtertalente und die Tage sind erst einmal gut gefüllt.   

Redaktion: Würdest Du Dich mit der Erfahrung von heute wieder dazu entschließen Schiedsrichter zu werden?

Christoph: Definitiv ja. Das Schiedsrichterwesen bringt Dir schließlich nicht nur die rein fachliche Kompetenz, sondern auch enorm viel für deine Persönlichkeit.

Die Verantwortung die man übernimmt, z.B. bei Derbys wie Erfurt gegen Lok Leipzig, schnelle Entscheidungen zu treffen und dann auch immer die richtigen, hilft Dir auch im Alltag.

Darüber hinaus arbeitet man als Schiedsrichter ab einer gewissen Liga immer im Team, man lernt also noch wahnsinnig viele und tolle Menschen kennen.   

Auch in den Städten und Stadien in denen man als Schiedsrichter pfeift, verschwimmen mit der Zeit die Grenzen zwischen dem eigentlichen Job und den Menschen, dann trinkt man auch gern mal gemeinsam ein Bierchen nach dem Spiel.

Redaktion: Das klingt sehr spannend. Was macht Christoph Dallmann am Wochenende wenn er nicht als Schiedsrichter unterwegs ist?

Christoph: (lacht) Man muss sich in jedem Fall Beschäftigung suchen. Ob Familie oder Freunde treffen oder einfach mal entspannt am TV ein Spiel anschauen.

Wenn es die Zeit erlaubt bin ich auch gern nochmal Fußballer und trete selbst gegen den Ball.

Redaktion: Apropos TV, kann man Dich als Schiedsrichter eigentlich schon im Fernsehen finden?

Christoph: Ja, am 31. August bin ich bei Viktoria Berlin gegen Auerbach, wenigstens die Zusammenfassung sollte dann bei „Sport im Osten“ im MDR laufen.

Teilweise kann man die Videos selbst zur ganz persönlichen Analyse nutzen, so eine Zeitlupe ist da manchmal sehr spannend.

Redaktion: Der Termin ist gemerkt. Vielen Dank für das Interview, wir wünschen Dir viel Erfolg für das nächste Spiel und deinen weiteren Weg.

Eine Frage aber noch. Wer jetzt selbst das Ziel hat es als Schiedsrichter einmal bis ins Fernsehen zu schaffen, muss sich wo melden?

Christoph: Vielen Dank. Interessenten melden sich ganz einfach auf der Homepage des Kreisfußballverbands Warnow oder einfach direkt bei mir unter dallmann@kfv-warnow.de

Ganz sicher ist unter zehn Bewerbern immer ein riesiges Schiedsrichtertalent, ich würde mich freuen wenn sich der ein oder andere meldet.

Liebe Sportfreunde und Leser, Interesse geweckt? Meldet Euch bei Christoph, mit Sicherheit seid Ihr während eurer Ausbildung bei Ihm in guten Händen.

Wer noch Fragen an uns Fußballer hat findet uns in Elmenhorst. Wer sein Kind zum Turnen schicken oder etwas von unseren Volleyballern möchte, findet uns in Lichtenhagen-Dorf.

Wir, die LSG Elmenhorst, sind über 400 Mitglieder rund um den Sport.

Viele Grüße aus der Redaktion, bis bald…